Benjamin Maximilian Hausner

DAAD-Sprachassistenz 2019-2020

Belarussische Nationale Technische Universität/  DAAD-Informationszentrum Minsk

10 Monate nach Belarus und an einer Minsker Universität Deutsch als Fremdsprache unterrichten. Mit dieser Aufgabe vor Augen machte ich mich Ende August 2019 als angehender DAAD-Sprachassistent von München auf den Weg in die belarussische Hauptstadt. Es war nicht mein erster Aufenthalt in diesem für viele Deutsche unbekannten Land. Seit einem Freiwilligendienst fünf Jahre zuvor bin ich fasziniert von Belarus und wollte unbedingt für einen längeren Zeitraum dorthin zurückkehren.  Das Sprachassistenten-Programm des DAAD passte sehr gut zu meinen Vorstellungen: Als frischer Uni-Absolvent konnte ich so Erfahrung in der universitären Lehre sammeln und gleichzeitig meine Sprach- und Kulturkenntnisse erweitern.

Welche Aufgaben hat ein Sprachassistent?

Im Mittelpunkt steht die Vermittlung der deutschen Sprache. Dies kann als klassischer DaF-Unterricht erfolgen, aber auch in Form von deutschlandkundlichen Lehrveranstaltungen innerhalb der universitären Fachbereiche Germanistik oder Übersetzungswissenschaften. Das genaue Profil hängt von der Einsatz-Universität ab, denn Sprachassistenzen werden an Universitäten in 70 Ländern weltweit angeboten. An meiner Einsatzstelle, der Belarussischen Nationalen Technischen Universität (BNTU), konzentriert sich die Lehre des Sprachassistenten auf fakultativen Deutsch-Unterricht, der für Hörer aller Fakultäten angeboten wird. Insgesamt unterrichtete ich drei Sprachgruppen auf den Niveaustufen A1-B1 im Umfang von 10 Semesterwochenstunden. Da sich an der BNTU auch das DAAD-Informationszentrum (IC) Minsk befindet, erhielt ich neben der Lehre zusätzlich Einblicke in die Arbeit eines IC und wurde mit kleinen Aufgaben betraut, wie der Beaufsichtigung bei Test-DaF-Prüfungen oder dem Mitwirken bei einer DAAD-Infotour durch Belarus.

Das IC Minsk bietet die Besonderheit, dass es über einen eigenen Lehrraum verfügt. Hier führte ich in kleinen Gruppen und entspannter Atmosphäre meinen Deutsch-Unterricht durch. Der Unterricht richtete sich in den A1- und A2-Gruppen nach einem Lehrwerk, doch auch spielerische und landeskundliche Aktivitäten waren ein fester Bestandteil der Unterrichtsplanung. Wichtig war mir vor allem der direkte Austausch mit den Kurs-Teilnehmern. Dabei ergaben sich häufig interessante Diskussionen über sprachkulturelle Unterschiede zwischen den Ländern. So wird beispielsweise bei der förmlichen Anrede im Belarussischen und Russischen stets der Vorname und Vatersname genannt im Gegensatz zur Anrede Herr/Frau + Nachname im Deutschen. Das deutsche Erdgeschoss entspricht der ersten Etage in Belarus und die Welt der deutschen Mischgetränke wie Apfelschorle oder Spezi sorgte für Verwunderung und führte zu Eigenversuchen bei meinen Teilnehmern.

Die Zusammenarbeit mit den Kurs-Teilnehmern war sehr angenehm, da sie über eine große Motivation verfügten und mir viel Interesse an der deutschen Sprache und Kultur entgegenbrachten. Leider musste der Präsenz-Unterricht im März 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie auf Online-Unterricht umgestellt werden. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit gewöhnte ich mich jedoch an die neuen Umstände und auch meine Kurs-Teilnehmer nahmen die neue Unterrichtsform zum Großteil gut an.

Und nach dem Unterricht?

Während meines Aufenthalts wurde ich nicht nur in ein Team von sehr netten DAAD-Kollegen eingebunden, sondern konnte auch viele Kontakte zu Einheimischen knüpfen. Die Belarussen sind ein offenes und freundliches Volk und stets an den Ansichten der Ausländer über ihr Land interessiert.

Minsk ist eine lebenswerte Stadt, in der es im Hinblick auf die Einwohnerzahl von ca. zwei Millionen vergleichsweise beschaulich zugeht. Die Stadt besticht durch ihre sowjetische Architektur, breite Straßen und Monumentalbauten, die dem Besucher manchmal das Gefühl geben, in die Vergangenheit zu reisen. Aber Minsk ist ständig im Wandel und in den letzten Jahren sind unzählige neue Cafés, Restaurants und Einkaufszentren eröffnet worden. Nicht zuletzt ist Minsk eine grüne Stadt, es gibt viele Parks und ein Ausflug mit dem Fahrrad oder Zug zum „Minsker Meer“, einem Stausee nordwestlich der Stadt lohnt sich immer.

Wie wird man Sprachassistent?

Jedes Jahr, gewöhnlich im Spätsommer/Herbst, werden die neuen Stellen durch den DAAD ausgeschrieben. Bewerbungsvoraussetzung ist ein Hochschulabschluss in den Fachbereichen Germanistik, Deutsch als Fremdsprache, einer Regionalphilologie oder einer anderen sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplin. Da ich Slavistik und Soziolinguistik studiert habe, verfügte ich nicht über einen theoretischen Hintergrund in DaF. Ich hatte jedoch bereits in der Vergangenheit erste Erfahrungen im Deutsch-Unterrichten gesammelt und brachte schon vor der Einreise gute Sprach- und Kulturkenntnisse mit. Während meiner Sprachassistenz konnte ich nicht nur meine Russisch-Kenntnisse täglich anwenden, sondern auch meine Belarussisch-Kenntnisse durch einen DAAD-finanzierten Sprachkurs weiter ausbauen. Diese Sprachkenntnisse kamen mir auch in meinem Unterricht zugute, denn die Grammatik im A1-Kurs erklärte ich zum besseren Verständnis stets auf Russisch.

Welche Formalitäten gilt es zu beachten?

Bevor der Auslandsaufenthalt beginnen kann, muss man sich zunächst um ein Einreisevisum kümmern. Dieses kann mit ausgefülltem Antrag, Pass, Schreiben der aufnehmenden Universität und Versicherungspolice bei der belarussischen Botschaft in Berlin oder beim Generalkonsulat in München beantragt werden. Da das Einreisevisum nur maximal drei Monate gültig ist, muss man vor Ort einen Aufenthaltstitel für die nachfolgende Zeit beantragen. Dafür werden notariell beglaubigte Übersetzungen des Passes und der Versicherungspolice benötigt. Wichtig ist zudem, dass man sich mit seiner belarussischen Wohnadresse behördlich registrieren lässt. Man sollte sich nicht von diesen bürokratischen Schritten abschrecken lassen, denn bei allen behördlichen Angelegenheiten waren mir das IC und die Universität sehr behilflich.

Was kostet das Leben in Minsk?

Die Lebenshaltungskosten in Minsk fallen im Vergleich zu deutschen Großstädten niedriger aus. Für eine zentral gelegene und modern eingerichtete 1-Zimmer-Wohnung muss man derzeit mit etwa 300-400 € Kaltmiete rechnen, für die Nebenkosten sollte man 20-50 € veranschlagen. Ich habe in der Nähe der Universität ein schönes Appartement gefunden, das in einem ruhigen, aber dennoch gut angebundenen Bezirk gelegen ist. Um die Wohnung zu finden, hatte ich zwar vorab einige Recherchen online gemacht, aber die eigentliche Wohnungssuche erledigte ich in der ersten Woche vor Ort und wohnte währenddessen übergangsweise im Gästewohnheim der Universität. Es ist durchaus üblich, dass hinter vielen Inseraten auf den einschlägigen Portalen Makleragenturen stecken und man dann noch eine Provision (in der Regel 100-200 $) bezahlen muss.

Bei den Lebensmittelpreisen gibt es die Tendenz, dass einheimische Produkte oft etwas billiger als in Deutschland sind, während für speziell aus Westeuropa importierte Produkte teils deutlich höhere Preise anfallen. Sehr empfehlenswert sind die Angebote der vielen Cafés und Restaurants zur Mittagszeit. Für umgerechnet ca. 4 bis 5 € bekommt man ein Menü, typischerweise bestehend aus Suppe, Salat, Hauptgericht und Getränk. Noch günstiger kann man in den Mensen der Universität essen.

Der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut ausgebaut und mit Metro, Bus, Trolleybus, Straßenbahn und Marschrutka (Sammelbus-Taxi) kommt man schnell und günstig in alle Ecken der Stadt. Ein Einzelticket kostet zurzeit ca. 25 Cent, für eine Monatskarte fallen je nach Anzahl der benötigten Verkehrsmittel zwischen 11 und 20 € an.

Welche Perspektiven gibt es nach der Sprachassistenz?

Aufgrund meiner positiven Eindrücke freue ich mich sehr, dass ich nach 10 Monaten Sprachassistenz zu Beginn des neuen Studienjahres als DAAD-Lektor nach Minsk zurückkehren kann. Das Lektorat führt mich an die Minsker Staatliche Linguistische Universität, wo ich an der Fakultät für Deutsch unterrichten werde. Die Entscheidung, sich auf ein Lektorat zu bewerben, fußte vor allem auf meinen guten Erfahrungen als Sprachassistent. Ich bin mir sicher, dass ich auch als Lektor von diesen Erfahrungen profitieren werde, da ich bereits ein akademisches Jahr vor Ort unterrichtet habe und so wichtige Einblicke in das belarussische Hochschulsystem und die Arbeit des DAAD erhalten konnte. Wer also Erfahrung in der universitären Lehre sammeln möchte, den interkulturellen Austausch sucht und sich für die Arbeit des DAAD interessiert, dem kann ich das Sprachassistentenprogramm nur empfehlen. Und wer ein faszinierendes und noch wenig bekanntes Land in Osteuropa entdecken möchte, dem möchte ich die Republik Belarus nahelegen. Bis bald in Belarus!